
In einem spannenden Rennen konnte Jenson Button auf den letzten Meter noch gewinnen (© McLaren)
Der Grand Prix von Kanada war heute an Spannung kaum zu überbieten. Überraschender Sieger: Jenson Button, der auf den allerletzten Metern noch an Sebastian Vettel vorbeizog. Das Rennen war geprägt von zahlreichen Safety Car-Phasen, einer Vielzahl von Unfällen, einem Rennabbruch wegen des starken Regens, Überholmanövern und Reifenwechseln. Aber lest am Besten selbst nach …
Der Start
Sebastian Vettel konnte sich bei der Qualifikation die Pole Position sichern und hatte somit sicherlich die besten Karten beim Start. Theoretisch. Doch eine Sache brachte ein wenig Durcheinander in das Rennen: Es regnete. Und keiner der Fahrer konnte bislang Erfahrungen mit den Pirelli Reifen bei Regen sammeln.
Das Ganze wurde allerdings ein wenig entschärft, indem hinter dem Safety Car gestartet wurde. Die Sicherheit der Fahrer geht natürlich immer vor. Das bedeutete, dass alle Fahrer auch auf Regenreifen starten mussten, so sieht es das Reglement vor. Schade natürlich, denn so wurde jede Menge Spannung und Brisanz aus dem Rennen genommen. Und ein klarer Vorteil für Sebastian Vettel, weil er so keinen Angriff vom Blitzstarter Fernando Alonso fürchten musste. Diese Entscheidung ist sicherlich zu diskutieren, doch am Ende hat natürlich Charlie Whiting, der Renndirektor der Formel 1, das letzte Wort.
Die ersten Runden …
In Runde 5 wurde das Rennen dann offiziell freigegeben und Bernd Mayländer fuhr zurück in die Boxengasse. Es wurde direkt spannend, nicht nur ganz vorne kamen sich Sebastian Vettel und Fernando Alonso direkt in die Quere und es wurde super eng, sondern auch ein paar Positionen weiter hinter kam es zur Kollision. Lewis Hamilton stoß mit Mark Webber zusammen und drehte diesem um; er konnte jedoch weiterfahren. Die Plätze, die er bei dieser Aktion verlor, konnte er direkt wieder aufholen. Sebastian Vettel konnte bei freier Fahrt direkt 2 Sekunden Vorsprung herausfahren.
Ausfall von Lewis Hamilton
Weiter hinten war es bedeutend spannender. Lewis Hamilton hatte sein Temperament mal wieder nicht unter Kontrolle. Er kollidierte mit seinem Teamkollegen Jenson Button und demolierte seinen Boliden so sehr, dass er nicht mehr weiterfahren konnte. Er versuchte noch zur Box zu kommen und musste sein Auto dann an einer wirklich sehr ungünstigen Stelle abstellen. Das bedeutete eine weitere Safety Car-Phase. Pech für Sebastian Vettel, der sich schon 5 Sekunden herausgefahren hatte, die er dann dadurch wieder verloren hat. Und Pech für Lewis Hamilton – der stärkste Verfolger von Sebastian Vettel im Kampf um die Weltmeisterschaft. Diese Nullnummer wird ihn nun wieder weiter zurückwerfen.
Restart
Nachdem das Auto von Hamilton von der Strecke entfernt wurde, konnte das Rennen erneut gestartet werden. Zu dieser Zeit war es immer noch nass auf der Strecke. Der erste Fahrer, der auf die Intermediate-Reifen wechselte, war Jenson Button. Der hatte nicht viel zu verlieren, da er nach der Kollision mit Lewis Hamilton sowieso in die Box kommen musste.
Beim Neustart machte Sebastian Vettel zum 2. Mal eine gute Figur und konnte seinen ersten Platz sichern. Weiter hinten wurde es ziemlich eng zwischen Nico Rosberg und Michael Schumacher, die auf Rang 4 und 5 fuhren. Jenson Button bekam von den Rennkommissaren eine Durchfahrtstrafe aufgebrummt, da er offenbar zu schnell hinter dem Safety Car war.
Die ersten Boxenstopps der Spitzengruppe
Fernando Alonso und Nico Rosberg waren die ersten der Spitzengruppe, die in die Box kamen. Beide wechselten auf Intermediates. Das schien zu dieser Zeit auch die bessere Wahl zu sein, da zumindest Jenson Button um die 2 Sekunden schnellere Runden fahren konnte.
Der große Regen
In der 20. Runde fing es wieder an, heftiger zu regnen. Das Safety Car kam erneut zum Einsatz. Erneut Pech für Sebastian Vettel, der seinen Vorsprung von knapp 10 Sekunden damit wieder verlor. Er machte das Beste aus der Situation und fuhr erstmal in die Box, um sich neue Regenreifen zu holen. Damit übernahm Felipe Massa die Führung in Kanada, doch nur für kurze Zeit. Eine Runde später kam auch er in die Box und holte sich vier neue Reifen.
Sebastian Vettel funkte währenddessen fleißig in seine Box. Seiner Meinung nach sei die Strecke unfahrbar bei diesem Regen. Zu dieser Zeit waren noch 20 min Regen bei gleicher Intensität vorhergesagt. Im Umkehrschluss bedeutet das, viele Runde hinter dem Safety Car oder sogar eine Rennunterbrechung?
Rennabbruch
In Runde 25 wurde das Rennen zunächst abgebrochen. Der Regen war einfach zu stark, um weiterzufahren. Alle Fahrer mussten in die Startaufstellung zurückfahren und darauf warten, bis das Rennen wieder neu gestartet wurde.
Restart
Die Warterei ging dann länger als gedacht. Erst um 21.50 Uhr deutscher Zeit wurde das Rennen hinter dem Safety Car wieder fortgesetzt. Nach der langen Wartezeit mussten sich die Fahrer innerhalb kürzester Zeit wieder voll konzentrieren. Nach einigen Runden hinter dem Safety Car wurde das Rennen wieder freigegeben. Dritter Restart für die Fahrer, Sebastian Vettel meisterte aber auch diese Herausforderung wieder souverän und blieb vorne. Kobayhashi, der sich durch eine gute Strategie auf Platz 2 vorgearbeitet hatte, musste sich gegen den Drittplatzierten Massa wehren und zunächst gelang ihm das auch.
Die meisten Fahrer fuhren ziemlich schnell an die Box, um auf Intermediates zu wechseln. Einzig Sebastian Vettel blieb noch ein wenig länger auf der Strecke.
Crash von Fernando Alonso
In Runde 27, gerade wenige Runden nachdem das Rennen wieder neu gestartet wurde, gab es eine Kollision zwischen Fernando Alonso und Jenson Button. Das Resultat: eine erneute Safety Car-Phase, ein Plattfuß bei Button und ein ausgeschiedener Spanier.
Beim erneuten Restart – es war dann bereits der vierte in diesem Rennen – machte Sebastian Vettel alles richtig und blieb vorne. Dahinter war es ziemlich eng zwischen Kobayhashi und Massa, aber auch weiter hinten gab es einen ziemlichen Fight zwischen Michael Schumacher und Mark Webber.
Im Laufe des Rennens durfte dann das DRS wieder aktiviert werden. Das machte das Überholen dann wieder ein wenig einfacher. Vor allem gibt es in Kanada eine Besonderheit, und zwar gibt es gleich zwei DRS-Zonen, in denen der Heckflügel geöffnet werden darf, um mehr Schub zum Überholen zu haben.
Die letzten Runden
Zehn Runden vor Schluss, nach einer erneuten Safety Car-Phase wegen des Abflugs von Nick Heidfeld, kam es zu einem echten Showdown. Denn beim erneuten Restart attackierte Michael Schumacher wohl zum ersten Mal in der Formel 1-Geschichte Sebastian Vettel. Doch dieser konnte sich wehren und gleich ein wenig Vorsprung herausfahren.
Dahinter war es aber so richtig spannend. Denn innerhalb einer Sekunde fuhren gleich drei Fahrer um das Podium. Michael Schumacher, Mark Webber und Jenson Button. Ein Krimi auf vier Rädern, vor allem bei diesen Streckenbedingungen. Beim ersten Mal schoß Mark Webber wie ein australischer Wüstenfuchs am 7fachen Weltmeister vorbei, musste dann aber die Schikane abkürzen, so dass er Schumacher wieder vorbeilassen musste. Beim nächsten Mal kürzte Webber die Schikane ab, Jenson Button konnte vorbeiziehen. Er nutzte sein DRS und zog dann auch direkt an Schumacher vorbei. Der musste sich anschließend gegen Mark Webber wehren im Kampf um den dritten Platz. Das gelang ihm leider nicht, der Podiumsplatz für Schumacher leider erstmal verloren.
Das Finish
Vor allem die allerletzten Rennen waren wirklich atemraubend. So ein Rennen haben wir glaube ich schon lange nicht mehr gesehen. Jenson Button holte immer weiter auf, konnte aber erst in der vorletzten Runde sein DRS hinter Vettel aktivieren. Es war super knapp und ganz zum Schluss verlor einer die Nerven. Sebastian Vettel rutschte in der letzten Runde von der Idealspur – das ließ sich Jenson Button nicht nehmen. Er hat wirklich auf den allerletzten Metern noch das Rennen gewonnen. Trotz 6 Boxenstopps und der Kollision mit seinen Teamkollegen. That’s racing. Ich habe jetzt noch Gänsehaut vom Finish.